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Vorbereitungen

Im Jahr 2019 sollte es zum letzten mal nach Polen gehen.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge machte ich mich hier an die Vorbereitungen. Diese sollten etwas umfangreicher ausfallen, da ich bis nach Russland hinein wollte. Aber von vorn.
Da ich die ganzen großen Konzentrationslager im Süden und in der Mitte Polens nun gesehen hatte zog es mich in den Norden - immer an der Ostseeküste entlang.
Nach einigen Tagen Recherche entsand so auf Maps langsam ein Bild - ein nicht ganz vollkommener Kreis zog sich von Frankfurt Oder nach Slonsk - Swinemünde - Kolberg - Stutthof - Danzig -Kaliningrad - Belomorskoje - Rastenburg und wieder nach Hause.
Meine Oma väterlicherseits schien aus dem ehemaligen Hindenburg zu kommen, welches heute Belomorskoje heisst und am kurschen Haff liegt. Da ich 2017 bereits in Opas Geburtsort war zog es mich also nach Russland - dem ehemaligen Ostpreussen.
Im laufe des Jahres und vieler Stunden weiterer Planungen stellte sich heraus, das meine Oma doch direkt aus Königsberg (dem heutigen Kaliningrad) stammte also wurde die Route etwas modifiziert und sah nun so aus wie auf dem Bild zu sehen. Frankfurt Oder - Slonsk - Kolberg - Stutthof - Danzig - Kaliningrad - Pillau - Morskoje - Rastenburg - Heim. Die Route war fertig und betrug knappe 1900 Kilometer. Mit etwas bangen dachte ich an die doch schon betagte A-Klasse die mich wieder begleiten sollte. Schnell schob ich die üblen Gedanken allerdings beiseite und freute mich auf die kleine Kiste, prächtiges Wetter und einen verbrannten linken Arm wie schon die Jahre zuvor.
 
Da nun der Weg fertig war, stand dem Ziel doch noch einiges im Weg. Russland. Russland ist keine EU, keine NATO, kein Partner. Es wurde viel in den Medien verbreitet und politisch kochte es sicher hier und da ganz schön hoch. Auch als Gewinner blieben die Russen den Deutschen eher als die im Sinne, die gewonnen hatten ... die sich nahmen was sie brauchten. Sei es Land oder Mensch. Als Kind in der sowjetischen Besatzungszone in einem Ort aufgewachsen in dem die russische Armee ihre Kasernen und einen Übungsplatz hatte habe ich diesen Menschenschlag als immer freundlich kennen gelernt. Vielleicht musste der Krieg erst 35 Jahre vorbei sein um aus den Gewinnern Menschen zu machen die sich mit ihrer Situation hier stationiert zu sein abfanden ? Oft tobte ich mit Freunden quer über den Übungsplatz wenn keiner zu sehen war und krochen hier durch oder über die Hindernisse. Oft saßen wir auch mit den Russen zusammen am Rand des Übungsplatzes und die Soldaten teilten mit uns ihre Makkaroni die sie in einem utopisch großen Topf auf offenem Feuer kochten. Wieder und wieder schenkten sie uns den ein oder anderen Orden - wo die heute sind weiss ich nicht mehr. Aber ich schweife weit ab - zurück zur Planung.
 
Ich benötigte als erstes ein Visum zur Einreise nach Russland. Im Internet findet man hierzu abertausende Tips und Tricks und Hinweise - alle kosten Geld und einige davon sehr viel Geld. Ich entschloss mich meines selbst zu beantragen beim Konsulat oder der Botschaft oder wo auch immer. Ich war so planlos das sich noch mehr graue Haare auf der Glatze einfanden.
Passbilder brauch ich ... also zu Kaufland in diesen bekloppten Automaten Passbilder machen. Eh man sich hier ausgerichtet hat, das es der Maschine passt dauert schon qualvoll lange. Dann ist es endlich soweit, man drückt auf den "Fotografier-Mich-Jetzt" Knopf und die Kiste zählt von 3 auf 1 runter. Wahrscheinlich kann sowas nur mir passieren, aber exakt bei 1 meinte der Hocker einen Satz nach unten zu machen. Somit ist mein Foto etwas verrutscht und mein Gesichtsausdruck darauf ist auch eher ... ich nenne es mal ungewollt. Freunde meinten jetzt kann ich problemlos bei dem russischen Bikerclub - den "Nachtwölfen" anheuern. Danke dafür Leute.
 
Nun ... mit meinen noch glänzenden Bildern machte ich mich auf zum Passamt um einen neuen Pass zu beantragen da meiner abgelaufen war. Pass beantragen war kein Problem, kostete im Express 90 Euro und sollte nach 5 statt nach 1000 Tagen fertig sein. Lustigerweise fiel der Passamtaufseherin auf, das mein erster und zweiter Vorname anders im Personalausweis stehen und behielt den gleich mit den Worten "Der ist ungültig, Ihr Name steht da verkehrt herum drin. Sie können gern nen neuen beantragen, kostet 30 Euro." Für den Bruchteil einer Sekunde hatte ich mich nicht im Griff und muss ausgesehen haben wie Bilbo aus Herr der Ringe als Frodo ihm den einen Ring nicht geben will. Jetzt behält die also allen ernstes meinen Personalausweis da weil meine Namen nicht in der richtigen Reihenfolge (wie in der Geburtsurkunde) stehen und gibt dann noch zum besten, das der Pass alleine als Ausweis auch nicht genügt, ich kann aber gern meine Meldeadresse in einem extra Schreiben beglaubigen lassen - kostet 10 Euro. Also ehrlich ... ganz kurz davor war ich .... ganz kurz und habe dann einen schönen Knoten in mein Taschentuch gemacht und bin gegangen. Wütend machte ich die Ausgangstür auf und wurde noch bockiger weil die so schwer aufging - bis mir einfiel, das es ne Automatiktür ist diese kleine sch**** Tür. An der frischen Luft draussen war alles besser.
 
In der Zeit des wartens auf den Pass machte ich mich über die Gegebenheiten schlau, die so am Zoll auf mich warten könnten. Ich muss euch sagen - das war eine der wichtigsten Sachen die ich machen konnte ansonsten wär ich dort nicht weit gekommen glaube ich. Mehr dazu weiter unten um die Chronologie beizubehalten.
 
Nachdem ich nun meinen nigelnagelneuen Pass hatte machte ich mich zu einer Visastelle in Berlin mit der ich vorher telefoniert hatte. Hier wollte ich mein Visa fertig machen lassen. Ich hatte mich für ein Touristenvisum entschieden. Hier eine kurze Liste mit dem was ihr für den Antrag dort benötigt: 1 Passbild, 1 gültigen Pass der nicht in den nächsten sechs Monaten abläuft, 1 Reisekrankenversicherung (ACHTUNG: diese muss bestätigen, das sie auch die Kosten in Russland übernimmt !!!), 1 Rückkehrwilligkeitsbescheinigung in Form eines Arbeitsvertrages oder einer Gehaltsabrechnung. Die Krankenversicherung kann man schnell und problemlos im Internet abschliessen. Ich versicherte mich schnell bei der Barmenia für 30 Tage und bezahlte 19 Euro.
Ich fuhr also mit allen benötigten Unterlagen in die VHS Geschäftsstelle in die Friedrichstrasse nach Berlin und beantragte dort mein Visum. Kostenpunkt 102 Euro und ich war erst mal meinen Pass los. Gut das ich die Tage gelesen hatte, das man seinen Pass nienimmernich und unter gar keinen Umständen niemals aus der Hand gibt. Die deutschen Pässe werden wohl mit gut 10.000 Euro gehandelt. Naja ... meiner war dahin.
Ich glaube 5 oder 6 bange Tage später bekam ich eine E-Mail mit der Meldung das mein Visum am 24.5. fertig zur Abholung in der Friedrichstrasse läge. Am 24. .... das war soooooooooooo knapp. Ich wollte am 1.6. los. Aber am 24. hielt ich ihn in den Händen. Meinen Pass mit dem Visum zur einmaligen Einreise nach Russland mit einer Gültigkeit von 30 Tagen. Einen Rückzieher konnte ich an dieser Stelle nicht mehr machen.
Da wie oben bereits erwähnt ist Russland nicht EU. Somit ist unser Führerschein dort drüben 'ne schöne Scheibe buntes Plastik. Heißt konkret man benötigt einen internationalen Führerschein den man auf der Führerscheinstelle erwerben kann. Man bekommt den schnell und unkompliziert wenn man seinen Führerschein dabei hat. Der ist 3 Jahre gültig (aber NICHT in Deutschland !) und ZACK  wieder 15 Euro weg .... zum Mäuse fisten.
 
Fassen wir zusammen:
 
- Reisepass (gültig noch mind. 6 Monate)
- Visum zur Einreise nach Russland
- internationaler Führerschein
- einen D - Aufkleber für das Auto. Das D am Kennzeichen wird nicht akzeptiert.
- Wert des Autos
 
Beim russischen Zoll bekommt man ein paar Zettel zum ausfüllen, welche definitiv nicht selbsterklärend sind. Ich geb sie euch / dir hier mal zum Download zum üben.
Ein paar Hinweise dazu:
 
1. Seite Punkt 1 erklärt sich von selbst.
1. Seite Punkt 2 war ich schon am verzweifeln. Nachfolgendes und Unnachfolgendes Gepäck ? Waaaaaaat ? Seit ihr mit einem Auto unterwegs kreuzt 2.2 Nachfolgendes Gepäck an. Damit ist euer Auto gemeint. Bei Gepäckstück darunter tragt eine 1 ein ... ist ja nur 1 Auto. Guck nicht so, ich habs auch nicht verstanden aber eine gut aussehende russische englischsprechende Zollbeamtin hat es mir erklärt .... zwei mal nachdem sie aus meinen ersten Versuch mit einem grinsenden "NJet Njet Njet" einen Ball machte und diesen wegwarf.
Seite 1 Punkt 3 .1 oder 3.2 müsst ihr selber wissen.
Seite 1 Punkt 3.3 - Registrierung Info ist nicht die Fahrgestellnummer wie ich erst dachte, es ist natürlich das Kennzeichen. Zollwert ist der derzeitige Wert eures Autos.
Der Rest auf Seite 1 sollte Nein sein denke ich.
Auf Seite 2 fein unterschreiben
Seite 3 und 4 hatte ich nicht.
 
Macht ihr Fehler bei den Angaben und ihr reicht diese so ein, kommen recht schnell 2 russische Zollbeamte und nehmen euch mit.
 
Na - auch schon so 'n Schiss wie ich hatte ? Der Satz hier drüber ist natürlich Blödsinn :) Ihr bekommt die Formulare noch mal bis ihr alles richtig habt. Lustig wirds, wenn hinter euch noch andere warten.
Ihr schafft das schon da bin ich mir sicher.
 
Alles weitere und dann in der Rubrik Kaliningrad,
 
euer Silvio