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Kolberg

So ... Kolberg war das nächste und für heute auch das letzte Ziel meiner Reise.
Das Navigationsgerät sagte 270 Kilometer und zahlreiche Baustellen voraus und das nicht auf einer Autobahn. Nein mein Weg führte über anfänglich ganz normale einspurige Landstraßen und später dann auf der S6 eine etwas besserausgebaute Strasse.
Auf diesem Weg verbrannte ich mir den linken Arm das erste mal dadurch das er nur aus dem Fenster hing.
Die S6 fuhr sich prima. Ich hielt mich meisstens an die vorgeschriebene Geschwindigkeit, welche den Einheimischen natürlich viel zu langsam war und ich somit oftmals mit dem doppelten überholt wurde. Was allerdings immer wieder auffällt. Es gibt kein drängeln - kein Mensch hupt oder gestikuliert. Gleiches Szenario hier in Deutschland und es gäbe bestimmt 5 Leute mit zu hohem Blutdruck und 3 Herzinfarkte sowie vollgespuckte Frontscheiben vom Fluchen.
Landschaftlich - und das ist es unter anderem was mich immer wieder in dieses Land zieht einfach schön. Vergessen ist Alltag, Hektik und Stress und die Kilometer huschen unter den Reifen durch.
 
In Kolberg angekommen war mein Plan eigentlich so dicht wie möglich an die Küste zu fahren und dort zu parken. Die Umsetzung erwies sich als schwierig. Irgendwie gelangte ich in die Altstadt welche sicherlich schön ist, aber zumeißt aus Einbahnstraßen besteht. Dazu kommen Fußgängermassen die auf die Straße laufen und wieder runter weil Papa was vergessen hat oder klein Hilde doch noch mal aufs Klo muss. Anstrengend, aber man sieht durch das Tempo auch was von der Stadt. Überall Läden mit Schmuck, Handtaschen, Klamotten umgeben von Gaststätten.
 
Irgendwann hatte ich mir meinen Parkplatz erkämpft und stieg aus um ein Parkticket zu ziehen, stand aber vor dem Automaten und schaute da drauf ohne verarbeiten zu können was da steht. Ich bin ja da nicht auf den Kopf gefallen, lehnte mich hinter mir an die Hauswand, zückte mein smartes Phone und schaute im Store nach einer ParkApp. Durch den phänomenalen Empfang hatte ich diese nach 17 Minuten in der Sonne stehendf auf dem Handy.
App - AN und such meinen Standort. Jut .... Standort gefunden, aber dieses Stück Software meint, hier darf ich nicht parken. Ich schau kurz über meinen nicht vorhandenen Brillenrand zu dem Parkautomaten und überlege ob der mich verarschen will. Jut ... App geschlossen, Auto zu gemacht, los gelaufen. Stop. Die Kiste find ich hier nie wieder. Wieder in den Store und eine App runtergeladen die mir speichert wo mein Auto ist.
Ich sehe wie du mir gerade einen Vogel zeigst. He - es waren 35 Grad in der Sonne und ich war in der Sonne und Haare hab ich keine mehr. Nimmt also alles direkt Einfluss, also Ruhe.
 
Mein Weg führte erst in Richtung Mole. Also touristisch ist dieser Bereich komplett erschlossen. Es war voll. Richtig voll und ich mag es von möglichst vielen Menschen umgeben zu sein.
Die Mole ist meines Wissens nach eines der Erkennungszeichen von Kolberg. Sie ist ordentlich breit und führt einiges raus auf die Ostsee. Gebaut wurde das Ding glaube ich 1971. Hier und da sieht man ihr das Alter an aber wenn sie den da vorne trägt, komm ich auch wohlbehalten drüber.
 
Am Ende gibt es ein Restaurant und darüber eine große Aussichtsplattform für genügend Fotos. Das Restaurant ist küppeldicke belegt mit Gästen - viele scheinen Russen zu sein, die es sich hier gut gehen lassen. Leider bestätigen sich auch hier wieder meine meissten Begegnungen mit Russen im Ausland. Laut, unhöflich und mit einem guten Pegel unterwegs. Ich denke daran, das meine Reise dieses Jahr auch nach Russland gehen soll und meine Vorfreude steigt.
Ich mache zwei bis drei Fotos und schlendere langsam wieder zurück. Ich habe seit Slonsk nichts gegessen. Viele Leute nutzen die Sitzgelegenheiten die hier in der Mitte zur Genüge dastehen und genießen die Sonne.
Ich habe Videos gesehen wie es hier ist wenn die See unruhig ist. Riesen Brecher knallen da an die Betonwände der Mole. Bestimmt ein interessantes Erlebnis wenn der Wind Tost. Naja .... ick hab Sonne gebucht.
 
Zurück in der Stadt wandere ich durch die Straßen um ein Restaurant zu finden welches ganz nach meiner Nase ist. Irgendwann find ich natürlich eins. Es ist in einer kleinen Ecke vor einem Tor welches zum Hafen führt.
Schnell ist die Kellnerin da und ich bestelle einen Eimer Cola und Gulasch mit Knödeln. Es schmeckt fantastisch und der Preis ... muss ich nichts sagen.
 
Ein bisschen muss ich darüber nachdenken als Kolberg im Krieg eine Festung war. Hitler hatte damals sein Ansinnen ernst gemacht und eine Verbindung von Deutschland nach Ostpreußen geschaffen. Erst den Hitler-Stalin Pakt fest gemacht und dann zusammen mit Russland Polen untereinander aufgeteilt.
Die Stadt Kolberg wurde im Krieg zu 80% komplett zerstört. Wenn man hier sein Blicke mal wandern lässt ist davon nichts mehr zu sehen und man sitzt in einer hübschen Stadt und isst Gulasch.
Fast alle Deutschen verließen am 10 Februar 1945 mit der "Operation Hannibal" diesen Bereich Polens und wurden durch die Deutsche Marine evakuiert. Es blieben 2000 tapfere Soldaten zurück um die Transporte zu schützen.
Ich sage hier tapfere Soldaten. Wahrscheinlich stößt es dem ein oder anderen jetzt bitter auf und zack ist die rechte Schublade wieder offen. Mein Gedanke ist allerdings eher das hier 2000 Männer zurück blieben, die sich ziemlich sicher waren, ihre Heimat nicht mehr wieder zu sehen. Nun denn .... ich zahlte und machte mich auf den Weg um die Stadt noch ein wenig zu erkunden. Zeit hatte ich genug.
 
Ich entdeckte eine Kirche. Es war der Kolberger Dom. He ... ich bin in keinster weise jemand der ne Kirche sieht und dort rein muss. Diese allerdings faszinierte mich. Sie war aus roten Ziegelsteinen gemauert und groß bis zum Dach hinauf. Fensterbögen. Bögen über den Türen und drinnen ... ein paar Bilder hab ich ja gemacht. Sieh selbst.
Ich finde es immer wieder klasse, wie die Leute damals gearbeitet - gemauert haben. Und in welchem Zeitraum. Angefangen wurde hier vermutlich im Jahre 1300 - schon mal eine Ewigkeit her. Die erste Ausbaustufe des Dom's war 1321 vollendet. Sind ja nur 21 Jahre Bauzeit für eine Ausbaustufe. Dieser Stufe folgten dann später noch das Presbyterium, zwei Seitenschiffe und der Turmtrakt. War halt eine reiche (Hanse-)Stadt damals.
Wer mich kennt weiß, wie ich auf Kirchen reagiere aber das hier ist immer wieder eine Augenweide Augenwaide Augenweide.
 
Gegen fünf verließ ich dann Kolberg in Richtung Danzig. Auf dem Weg suchte ich wie immer über eine Hotel-Zimmer-Unterkunfts-SuchApp was zum schlafen und wurde fündig im fernen Debina. Unterkunft für 28 Euro. Warum nicht, ich schlaf ja dort nur eine Nacht, also Gaspedal etwas mehr getreten und ab gehts. Schon knapp drei Stunden später kam ich an .... am Ende der Welt. Erst ging es durch einen Wald. Die Strasse immer enger und ordentlich kurvenreich. Dann war die Straße weg, aber der Wald war noch da. Also noch langsamer fahren. Ausgewaschene Löcher im Sand wie ich es ja mag auf meinen Reisen. Jetzt noch schön fest fahren und ick renn schreiend in den Wald und ende dort bis zum nächsten Morgen in althergebrachter Fötusstellung. Nix da. Nix mit festfahren, aber nun war auch der Wald weg und nur ich und die Straße und Feld ... Wiese... Acker. Was auch immer.
Mir war es mittlerweile egal. Ich war müde und folgte treudoof der einlullenden Stimme des Navigationssystems. Ich stoppte wo es hieß "Sie haben ihr Ziel erreicht. Es befindet sich auf der linken Seite.".
Also hier ja. Hier sagen sich nicht mal Hase und Igel Gute Nacht. Ich klingelte und wurde freundlich von einem älteren Herren mit langen gelockten grauen Haaren zu meinem Zimmer begleitet. Ein kleines aber feines, sauberes Zimmer wurde mir präsentiert. Ich handelte mit ihm noch mein Frühstück für zzgl. acht Euro aus und bezog mein Zimmerchen.
Eine schöne Dusche erfrischte, konnte aber nicht gegen meine Müdigkeit ankommen. Ich fiel ins Bett, telefonierte noch mit meinem Schatz zu Hause und schlief dann recht schnell ein.
 
Am nächsten Tag packte ich meine Sachen, brachte sie ins Auto und freute mich auf mein Frühstück. Ich schlich um das Haus und da fand ich - niemanden. Hallo ? Frühstück ? Leute? Ich hab da so ein kleines schwarzes Loch im Magen. Ich hab Hunger ... und viel Angenehmer für den Vermieter .... das Frühstück bereits bezahlt. Bockig und mit nach vorn getülpten Lippen begab ich mich zum Auto um irgendwo hin zu fahren wo ich was frühstücken konnte. 
Das machte mich sauer ... ein wenig. Na zum Glück schreib ich ja recht regelmäßig Bewertungen bei so einer großen Suchmaschine. Diese Bewertung würde mal nicht so gut ausfallen.
 
Nichtsdestotrotz Nichts desto trotz Nichts destotrotz ... alter gleich .... Als ich raus war aus dem Nest war meine Laune schon wieder deutlich besser und die Sonne begab sich auf ihren Weg zur oberen Kante des Himmels.
 
Nächster Halt ... Danzig und ich freute mich drauf wie Sau.
 

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