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KZ Sonnenburg

Der erste Stop während meiner letzten Tour nach Polen war das ehemalige Konzentrationslager Sonnenburg.
Ursprünglich war es ein Zuchthaus, welches 1930 geschlossen und 1933 als Konzentrationslager wieder geöffnet wurde.
Am 3. April 1933 kamen die ersten 200 Gefangenen zusammen mit 60 SA-Hilfspolizisten im Lager an. Kurze Zeit später kamen weitere 800 Häftlinge dazu, die aus der Strafanstalt Gollnow nach Sonnenburg verlegt wurden.
 
Am 23.April 1934 wurde das Konzentrationslager mit dem eigentlich so schönen Namen "Sonnenburg" geschlossen, das Zuchthaus an sich bestand jedoch weiter.
 
Seit Beginn des 2. Weltkrieges bestand dann auch das KZ wieder weiter bis 1945. Inhaftiert waren angeblich deutschfeindliche Personen aus dem Ausland. Hierzu kommt gleich noch etwas. Inhaftiert waren unter anderem sicher bekannte Namen wie:
Carl von Ossietzky, Erich Mühsam, Jean-Baptiste Lebas oder auch Ernst Grube.
 
In den Jahren 1942 bis 1945 waren hier weit über 1.500 sogenannte "Nacht und Nebel Häftlinge aus Frankreich, Belgien, Norewgen sowie Holland untergebracht. Der ein oder andere Interessierte hinterfragt eventuell den Begriff "Nacht und Nebel". Ich möchte versuchen, diesen hier zu erklären.
 
Der "Nacht-und-Nebel-Erlass" war ein sogenannter Führererlass, also eine Anordnung von Adolf Hitler, die für alle deutschen Staatsangehörigen auf dem Gebiet des Deutschen Reiches Geseteskraft hatte. Dieser Erlass musste nicht erst bestätigt oder gar diskutiert werden, er war ohne Umschweife sofort gültig. Mit solchen Erlässen konnte geltendes Recht verändert und sofort neues Recht gesetzt werden.
Aber zurück zu Nacht und Nebel. Dieser Erlass sah vor, das ca. 7.000 Personen, welche des Widerstandes verdächtigt wurden nach Deutschland verschleppt und dort heimlich (!) abgeurteilt oder bei erwiesener Unschuld (!) in Haft behalten wurden, ohne das irgendjemand darüber Auskunft erhielt. Diese Leute waren also vom Erdboden verschwunden. Bei dem Personenkreis handelte es sich vorwiegend um Franzosen, Belgier, Norweger, Luxemburger sowie Niederländer.
 
Nacht und Nebel heisst also veschwunden für Angehörige. Ob es jetzt inhaftiert oder ermordet heisst, wusste niemand.
 
Zum Ende des zweiten Weltkrieges wurden auf Anordnung von Herbert Klemm in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945 819 Häftlinge immer in 10er Gruppen  im Hinterhof erschossen.
Unter den Exekutierten befanden sich 91 luxemburger Zwangsrekrutierte. Hier fand demnach der größte Massenmord an Luxemburgern während des 2. WK's statt, an welches als "Massaker von Sonnenburg" in jedem Jahr durch die Zeremonie "Kanounenhiwwel" in Luxemburg erinnert wird.
 
Am 2. Februar 1942 erreichten Teile der russischen 8. Gardearmee Sonnenburg. Die Zuchthausleitung war geflohen und Häftlinge waren nicht mehr viele verblieben.
 
Für mich selbst war Sonnenburg als Mahnmal wie es heute besteht sicher interessant, aber nicht so beeindruckend wie beispielsweise Groß-Rosen. Das mag zum großen Teil daran liegen, das man hier die Greuel nicht so "fassen" kann wie in noch bestehenden Lagern. Wichtig bleibt jedoch, das gemahnt wird und die Menschen nicht vergessen, was Menschen anderen Menschen antun können.
 
Das KZ Sonnenburg liegt kurz hinter Frankfurt Oder. Wer mag, fährt dort mal hin und schaut es sich an. Es ist bei weitem nicht so grausam dargestellt wie andere Lager. Wer mit Kindern fährt, sollte vielleicht auf dem 10-minütigen Film verzichten, welcher dort gezeigt werden kann.
 
Ich selbst bin der Meinung, das diese Zeit in Schulen mehr und mehr untergeht und nicht weiter beachtet oder im Zweifelsfall nur kurz "angekratzt" wird. Das darf nicht sein. Es muss eine Möglichkeit geben, unseren Kindern zu zeigen was geschah. Man muss darübner reden und diskutieren ohne das man sich als Nazi fühlt oder den Kindern das Gefühl der Schuld gibt.
 
Durch meine Reisen höre ich immer wieder und überall das dieser Teil der Geschichte auch in anderen Ländern extrem vernachlässigt wird. Ich sprach hier nicht nur mit Polen. Ich traf in den unterschiedlichen Lagern in denen ich nun war die unterschiedlichsten Herkünfte - angfangen bei Polen über Engländer, Holländer, Schweden, Norweger, Juden und vielem mehr. Alle sind hier der gleichen Meinung. Es gerät in Vergessenheit.
 
 Auf den Bildern sind leider nur 4 von Sonnenburg, aber viel mehr war dort nicht. Ansonsten seht ihr mein erstes Frühstück auf dem Weg nach Kolberg, welches ich auf einem Parplatz mitten in einem Wald im Nirgendwo machte. 
Ein anderes Bild zweit meinen Plan zur Reiseroute mit den Kilometern. Ich hatte mir hier alles so ziemlich genau zusammen gerechnet, damit ich weiß wann ich nach Russland Ein- und wieder Ausreise. Letztlich kam es dann ganz anders, aber das ist ein anderer Teil meiner Geschichte.
Das letzte Bild zeigt meine Reiseroute auf GoogleMaps. Somit bin ich einmal durch den Süden Polens, den Norden und einmal mitten durch :)
Mein internationaler Führerschein ist auch zu sehen. Da ich in Russland nicht mit dem unseren fahren darf, musste ich diesen auch noch beantragen. Kann man recht einfach bei der Führerscheinstelle machen und kostet 15 Euro. Achtung: In Deutschland darf man damit nicht fahren bzw. seine Fahrkünste bei der Polizei nachweisen !
 
Alles in allem ist Polen eine Reise wert. Fahrt entweder nach Norden in Richtung Kolberg und macht Urlaub an der Ostsee oder fahrt weit nach Osten, dort gibt es wunderschöne Flecken.
 
Nächste Stop: Kolberg.

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