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Brocken Sonnenaufgang

Ich sitz grad hier und versuche ein kleines Resümee zu verfassen, dabei schüttel ick den Kopf und muss schmunzeln. Nein KEIN Parkinson bevor hier aus bestimmten Personenkreisen .. egal.
Ihr werdet es nicht glauben und ich hab damals sicher gesagt, ich mach den scheiss nie wieder .... wir waren auf dem Brocken. BOAH wird manch einer denken ... mach ick jeden Samstag bevor ich mich mit meinen Klatschbasen zum Kaffee treffe. Ja genau ... diese Art Mensch treff ich dort normalerweise auf dem Weg nach oben. Schnatternd die Jugend von heute überholen während ich nach Luft ringe.
Aber warum sollte ich davon schreiben ? Janz einfach, wir sind mitten in der Nacht da hoch. Wie die bekloppten. Flodder lässt grüßen.
Aber von vorn ...
 
Es ist 23:30 Uhr. Ick steig voll gepackt auf's Motorrad um zu Lars - unserem Treffpunkt - zu fahren. Rucksack auf'm Rücken, der Wanderknüppel steckt vorn am Rucksack dran und schaut ungefähr nen Meter über mich drüber.
Mopete an und los Richtung Potsdam (Name unkenntlich gemacht wegen der neuen DSGVO_neu). Auf der Autobahn merke ich das der Knüppel rutscht. Kurz vor Lars sehe ich ihn gar nicht mehr und hoffe, das er nicht polternd und Funken schlagend auf der Autobahn landet. Alles geht gut und wir steigen nach nem Käffchen und ner Zigarette in Janine's Clio.
Wir gondeln gute 2 Stunden durch die Nacht in Richtung Harz. Die Autobahn ist frei und die Stimmung ist gut. Janine fährt über den Fahrbahnbegrenzungsstreifen (27 Buchstaben ... wow), welcher uns akkustisch sofort mitteilt, das wir mittig drauf sind jetzt und der böse Rand der Fahrbahn nicht mehr weit ist. Ich mache unsere Mitstreiterin darauf aufmerksam und bekomme nur zur Antwort, das sie das immer gern macht, weil das Geräusch so spitze ist.
Ich lasse sie gewähren und schnalle mich an ziehe den Gurt fester. Kurz vorm Ziel merken wir wie die Ohren vom veränderten Luftdruck komisch werden und freuen uns, wenn der Druck weg ist und man wieder was hört.
Wir kommen am Parkplatz an und fallen das erste mal fast vom Glauben ab. Der Parkplatz ist voll ... also mit Autos. Zugeparkt. Nicht tausende wie man jetzt denken mag, aber es sind scheinbar einige unterwegs, deren Betten zu Hause auch kaputt sind. Wir machen uns fertig und laufen los - tauchen ein in den geheimnisvollen, schwarzen Wald. 
Der Weg vor uns ausgeleuchtet von 2 Kopflampen zeigt uns auch gleich mal, das wir einen Berg hinauf wollen. Zweihundert Meter später hab ich schon keine Lust mehr. Gibts denn sowas ? Vom Torfhaus war der Anfang so entspannt und hier vom Friedhof - ich hab den Ortsnamen verdrängt um nicht wieder her zu finden später - geht es gleich schön bergauf.
Ich beneide Janine um ihr Telefon, welches Nachts echt klasse Fotos macht und hole meins gar nicht weiter raus.
Was soll ich sagen, es läuft sich so dahin ... Schotterweg folgt auf Schotterweg bis wir an einen Plattenweg kommen der mir bekannt vorkommt. Ab hier weiß ich wo wir sind und auch was uns noch erwartet.
hmm ... ich merk gerade das ich total ins Theatralische verfalle. Nein - es ist alles nicht soooo schlimm. Alles im Rahmen des machbaren. Also los, wir quälen uns weiter.
 
Wer mit uns schon mal diesen Plattenweg gelaufen ist, weiß das er am Ende eine schöne Steigung bereit hält. Ich hasse sie noch immer. Es ist steil und der weg ist für'n Hintern (meine Frau sagt, ich soll nicht scheisse schreiben) und er läuft sich total bescheuert durch die ganzen Löcher drin. Vielleicht weiß der ein oder andere was ich meine.
WIr sind oben und ich muss was leckeres essen. Jippi ... Tomaten und Gurken. Genau meins. Wir zotteln weiter. Es wird langsam heller und ich hoffe, wir sind rechtzeitig oben. Der Weg hier bis zur nächsten asphaltierten Strasse ist recht entspannt und fließt unter den Füßen dahin. Aber dann .... ich sag nur "Brockenmarathon 20km Wendemarke". Wer meine erste Geschichte vom Brocken gelesen hat weiß was ich meine. Ich liebe gute asphaltierte Strassen - ehrlich, die sind toll. Mit'm Motorrad. Aber hier und zu Fuss und zu dieser Uhrzeit ? Blöde Henne. Ich erinnere mich wie daaaaaamals jemand da hinten an der Kurve rief "Will noch jemand ein Bier ?". Heute ist es dort verwaist. Keiner steht dort und bietet dem unterhopften Wanderer frische Elektrolyte an. Nach der Kurve wird es noch steiler. So als wolle der Brocken nicht, das man es bis hoch schafft und versucht einen zu brechen und zum umkehren zu zwingen. Nicht mit uns. Den Wanderstecken fest gegriffen, mit der Zunge geschnalzt und zack - krauchen wir weiter auf dem Zahnfleisch nach oben. Uns kommen ein paar Leute mit Hund entgegen und ich frag mich, warum gehen die schon wieder runter ? Den Sonnenaufgang verpassen wäre jetzt echt blöd. Ich komme zu dem Schluss, das diese 4 von der Sorte sind, die das eh jedes Wochenende machen - früh - zum wach werden oder so.
 
Es ist 4:53 Uhr. Wir sind oben ... am Brockenstein. Mit uns vielleicht 50 andere Stempelsüchtige und Sonnenanbeter.
Wir haben eine fantastische Sicht in alle Richtungen und im Osten sind zwei ganz schmale, knallrote Streifen zu sehen und dann taucht ganz langsam die Sonne am Horizont auf. Ein atemberaubender Anblick, der einen die Strapazen kurz vergessen lässt. Es werden unzählige Bilder geknipst und dann ist es auch schon wieder vorbei. Die Sonne hinter ein paar Wolken, machen wir uns wieder an den recht unspektakulären "Abstieg".
Wir sammeln unterwegs noch einen Stempel ein, den wir bei der letzten Tour nicht mitgenommen hatten und machen kurz vor dem Parkplatz noch einen Stop an einem alten Soldatenfriedhof. 99 detusche Soldaten liegen hier und - ich glaube es waren 14 Russen. Der Friedhof ist gepflegt und ordentlich. Ein schöner Ort für die Totenruhe. Was jedoch stört ist das Alter der hier beerdigten. Der älteste war glaube ich 20. Alle anderen um die 16 oder 17 Jahre jung. Es ist ein komisches Gefühl hier zu sein und von einem Grabstein zum anderen zu gehen. Automatisch rechnet man beim nächsten wieder das Alter aus und hofft dabei nicht auf 15 zu kommen .... oder 14. Leise schliessen wir das eiserne Tor hinter uns wieder und gehen.
 
Kurze Zeit später sind wir schon am Auto und machen uns bereit zur Abfahrt zum Torfhaus. Wir wollen noch etwas essen bevor es nach Hause geht. Am Torfhaus schlagen wir das bestimmt fantastische Frühstück für 14 Euro pro Nase aus und trinken statt dessen nur nen Kaffee. Danach geht's nach Hause.
 
KUSTEPUCHEN ....... Hände hoch, wem der "blaue See" was sagt. Genau .... dorthin gibt es noch einen Abstecher bei 32 Grad und ohne Badeklamotten.
ALso ich hab sowas noch nicht gesehen. Komplett blau - türkis und glaaaaaasklar. Auch hier sonnenhungrige und ein paar badende und es ist verlockend einmal ins kühlende Nass. Da ich aber nicht für Aufregung sorgen möchte weil der See halb leer ist, wenn ich von oben die Katze oder ne ausgeklügelte Krampe mache, gehen wir nur einmal drum herum, machen ein paar Bilder und gehen wieder zum Auto.
 
Der Weg nach Hause ist anstrengend und ich ziehe den Hut vor Jainine, die uns hingefahren hat, mit auf diesen blöden Berg gekraxelt ist und uns dann noch wohl behalten und ohne Seitenstreifenberührung nach Hause gebracht hat.
 
Wieder einmal danke ich den beiden für einen echt gelungenen Ausflug und freue mich auf das nächste mal.
 
 
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